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Irlands Wake Museum - zum Sterben gut

  • vor 24 Stunden
  • 6 Min. Lesezeit
Eine als tote Frau im Bett liegende Puppe, hergerichtet für eine irische Wake

Das außergewöhnliche Wake Museum bietet Besuchern ein einzigartiges Erlebnis. Hier erfährt man alles über die faszinierenden und manchmal makabren Bestattungsrituale Irlands. Alles, was ihr über die irische Totenwache wissen müsst!

Untergebracht ist das Museum übrigens im ältesten städtischen Wohngebäude Irlands, dem ehemaligen Altenheim „Dean John Collyn’s Almshouse“ am Cathedral Square in Waterford. Das auch als „God’s People’s House“ bezeichnete Haus wurde 1478 am Allerseelentag, dem 2. November – auch bekannt als Tag der Toten – gegründet. Die Bewohner des Hauses bezahlten ihren Unterhalt, indem sie dreimal pro Nacht für die Seelen ihrer Gönner und die Seelen der verstorbenen Bürger von Waterford beteten.


Das Gebäude des irischen Wake Museums in Waterford

Was bietet das irische Wake Museum?

Das Wake Museum (Besuch nur mit Führung), das sich ganz dem Leben und dem Tod widmet, lässt Besucher tief in die irische Kultur und die irische Beziehung zum Tod eintauchen. Geschichten, Legenden, Aberglauben… Betritt man das ehemalige Armenhaus, erlebt man eine chronologische Erzählung durch sechs Räume vom 15. bis zum 20. Jahrhundert, in denen verschiedene Themen rund um den Tod beleuchtet werden. Die Ausstellung endet damit, dass sie die Menschen – wie andere es seit Jahrhunderten tun – dazu auffordert, Memento Mori zu beachten – sich an den Tod zu erinnern – und, um George Bernard Shaw zu bemühen, "sich am Leben um seiner selbst willen zu erfreuen und zu verstehen, dass das Leben keine kurze Kerze ist, sondern eine Art prächtige Fackel, die wir für den Moment in die Hand nehmen, um sie so hell wie möglich brennen zu lassen, bevor wir sie an zukünftige Generationen weiterreichen.“

Man lernt, wie die Iren ihre Toten begruben, über sie wachten und für sie beteten… Der Besuch ist überaus interessant, untermalt von eindrucksvollen audiovisuellen Erlebnissen und Erklärungen, die von sachkundigen Führern mit Leidenschaft vermittelt werden!


Alles was man über eine typisch irische Wake wissen muss


Bild von Leuten, die trinken und reden - Irish Wake

Irische Totenwachen sind alles andere als eine düstere Angelegenheit. Fröhliches Beisammensein war und ist ein fester Bestandteil der traditionellen irischen Totenwache und ein wesentlicher Teil des Trauerprozesses in Irland. Ein heidnisches Ritual bildete die Grundlage für viele der Geschehnisse bei einer irischen Totenwache, und ein Großteil des Treibens wurde von der Kirche missbilligt. Geschichtenerzählen, Streiche spielen und Spiele gehörten alle zum Abschied dazu, um das Leid der Familie des Verstorbenen zu lindern. Bis Mitte des 20. Jahrhunderts waren auch anzügliche Lieder, Streiche und Spiele mit Namen wie „Priest of the Parish“ und „Hide the Gulley“ gang und gäbe. Sogar Kraftwettbewerbe, bei denen unter anderem die Leiche hochgehoben werden musste, waren üblich. Ein weiterer häufig gespielter Streich bestand darin, sich unter dem Bett des Verstorbenen zu verstecken und daran zu rütteln, wenn jemand hereinkam, um ihm einen gehörigen Schrecken einzujagen. Diese Aktivitäten und ihre heidnischen Ursprünge wurden von der Kirche streng missbilligt, die versuchte, den Brauch auszumerzen. Offizielle Maßnahmen wurden jedoch erst ergriffen, wenn eine Totenwache besonders skandalös ausfiel.

 

Klagefrauen

Eine irische Totenwache begann damit, dass Frauen aus der Nachbarschaft ins Haus kamen und den Leichnam des Verstorbenen wuschen. Meistens fand die Totenwache im eigenen Haus des Verstorbenen oder bei einem nahen Verwandten statt. Der Leichnam wurde dann mit weißem Leinen bedeckt und mit schwarzen oder weißen Bändern geschmückt. Der Brauch schrieb vor, dass erst nach der Vorbereitung des Leichnams mit dem Weinen begonnen werden durfte, aus Angst, böse Geister könnten vom Leichnam angezogen werden und die Seele des Verstorbenen rauben. Oft wurden von der Familie weibliche Klagende engagiert, die jammerten, weinten und Gedichte vortrugen, um den Verlust des geliebten Menschen zu beklagen. Die Haupttrauernde stand am Kopfende des Bettes und stieß den ersten Ton oder Schrei aus.


Tonpfeifen auf einem Zinnteller für eine irische Wake

Pfeife, Tabak

Auch innerhalb des Hauses gab es viele Traditionen, die eingehalten werden mussten. Zu diesen Bräuchen gehörte das Auslegen von Tonpfeifen, Tabak und Schnupftabak im Raum. Von jedem männlichen Besucher wurde erwartet, dass er mindestens einen Zug nahm. Der Rauch hielt böse Geister davon ab, den Verstorbenen zu finden. Gewöhnlich wurden eine Pfeife und Tabak auf einen Tisch neben den Leichnam gelegt. In manchen Fällen wurde eine Pfeife auch auf die Brust des Verstorbenen gelegt.


Ein Tisch mit zugedecktem Spiegel aus dem irischen Wake Museum

Uhren anhalten, Spiegel abdecken und Vorhänge zuziehen

Zum Zeitpunkt des Todes wurden die Uhren angehalten und die Spiegel im Haus gedreht oder abgedeckt. Auch alle Vorhänge im Haus mussten zugezogen werden, mit Ausnahme des Fensters, das dem Leichnam am nächsten lag; dieses blieb offen, damit die Seele einen Ausgang findet.


Die Schuhe nicht vergessen!

Traditionell werden Schuhe am Fußende des Verstorbenen platziert. Für den Laien mag es so aussehen, als hätte jemand mitten im Raum seine Schuhe ausgezogen und vergessen, sie wegzuräumen. Bei einer Totenwache in Irland ist dies jedoch beabsichtigt. Die Schuhe werden am Fußende des Verstorbenen platziert, damit dessen Seele in sie schlüpfen kann, um ihm den Weg durch das Fegefeuer zu erleichtern.


Beim Toten übernachten

Für viele Familien ist es Tradition, die Nacht im selben Raum wie der Verstorbene zu verbringen. Viele Iren erzählen gerne davon, wie sie in der Nacht vor der Beisetzung gemeinsam mit ihren Cousins und Cousinen im Zimmer ihrer Großmutter oder ihres Großvaters geschlafen haben. Manche mögen das etwas seltsam finden, doch für viele Iren ist dies Teil des Trauerprozesses.


gefaltete Hände mit Rosenkranz

Rosenkranz beten

Der Rosenkranz ist eine der wichtigsten Traditionen bei einer irischen Totenwache. Der Priester kommt herein und leitet den Rosenkranzgebet mit Unterstützung der Haupttrauernden, und alle versammeln sich im Raum, in dem der Leichnam liegt, und sprechen ein Gebet. Der Rosenkranz wurde/wird zweimal in Anwesenheit der Trauergäste gebetet; einmal um Mitternacht und ein zweites Mal, als der Morgen näher rückte. Damit sollte der Verstorbene ewige Ruhe finden.


Eine Packung Zigaretten

Mitbringsel für die letzte Reise

Dies ist eine der bedeutendsten Traditionen bei Totenwachen. Die Menschen lieben es, dem Verstorbenen etwas mitzugeben, das ihm auf die andere Seite hilft. Wenn Opa gerne geraucht hat, kann man davon ausgehen, dass die ein oder andere Packung Zigaretten in seiner Kleidung versteckt ist. Mochte Oma gerne Lutschbonbons? Dann findet man bestimmt ein paar Bonbons in ihren Taschen. Das ist eine wunderschöne Tradition.


Sandwiches

Tee, Tee und nochmals Tee! Sandwiches, Sandwiches und noch mehr Sandwiches!

Gibt es etwas, das eine Tasse Tee nicht heilen kann? Beerdigungsfeiern sind der ideale Anlass für eine Tasse Tee. Bei einer typisch irischen Beerdigungsfeier versammeln sich oft Hunderte von Menschen, um ihre Anteilnahme zu bekunden, daher ist es nur angemessen, dass die Hinterbliebenen reichlich Tee für die Besucher bereitstellen. Nachbarn und enge Freunde springen oft ein, um beim Servieren des Tees zu helfen. Dennoch übernehmen die Hinterbliebenen diese Aufgabe oft selbst, um sich von ihrem Kummer abzulenken. Zum Tee gibt es Unmengen an Tabletts mit Sandwiches und Kuchen. Viele Menschen besuchen irische Totenwachen nur allzugerne wegen des köstlichen kostenlosen Essens, heißt es.


Etwas mitbringen!

Selten kommt jemand mit leeren Händen zu einer irischen Totenwache. Es ist ganz selbstverständlich, dass die Menschen mit einem Tablett voller Sandwichs oder mit Kuchen vorbeikommen, um ihre Anteilnahme zu bekunden. Mit leerem Magen kann man nicht trauern, daher bringen die Menschen meist Essen mit, um sicherzustellen, dass die Haupttrauernden während der Trauerzeit nicht hungern müssen.


Ein Tisch mit alkoholhaltigen Getränken für eine irische Wake

Nur ein kleines Schlückchen - Slainté!

Es ist keine richtige irische Totenwache, wenn kein Alkohol im Spiel ist. Alkohol dient in der Regel dazu, die Nerven der Angehörigen in einer so emotionalen und überwältigenden Zeit zu beruhigen. Der Alkohol lockert alle auf, und damit einher gehen Geschichten und fröhliches Beisammensein, bei dem man sich an das Leben des Verstorbenen erinnert. Ein paar Whiskeys zu trinken und gemeinsam mit den anderen Trauernden Musik zu hören, ist eine wunderbare Art, das Leben eines gemeinsamen geliebten Menschen zu feiern und in Erinnerung zu behalten.

 

Was die irische Totenwache ersetzt hat

Während in den ländlicheren Gegenden im Westen Irlands noch immer Totenwachen abgehalten werden, sind in den letzten Jahrzehnten im ganzen Land Bestattungsunternehmen entstanden, und die Tradition der Totenwache ist in gewisser Weise Teil der irischen Geschichte geworden. Heutzutage wird insbesondere im städtischen Umfeld das Aufbahren des Leichnams zu Hause durch die „Aufbahrung“ im Bestattungsinstitut ersetzt. Es findet in der Regel über eine Nacht statt, damit alle, die den Leichnam sehen möchten, daran teilnehmen können.


PS: Wir selbst haben eine Totenwache erlebt, wo der Verstorbene zwar im Bestattungshaus gebettet wurde, doch zuvor - für die engsten Freunde und Familienangehörigen - war er einen Tag zuhause aufgebahrt worden. Am Bestattunghaus sahen wir eine ellenlange Schlange an Kondolierenden. Wir benötigten mehr als eine halbe Stunde, um bis zum Verstorbenen vorzudringen. Gefühlt war der gesamte Ort auf den Beinen, um einen letzten Gruß zu entrichten. Was uns sehr berührt hat: Wenn jeder erzählt, was er mit dem Verstorbenen erlebt hat, bildet sich ein unglaublich buntes Mosaik an gemeinsamen Erlebnissen und ein kollektives Gedächtnis/Andenken an den Toten. Die irische Totenwache ist ein einzigartiger und wesentlicher Bestandteil des irischen Kulturerbes. Sie bringt Gemeinschaften zusammen, sie ist eine Zeit, gemeinsam zu trauern, sich gemeinsam des Verstorbenen zu erinnern, aber sie ist auch ein Fest des Lebens.


Buch Irland wie es nicht im Reiseführer steht von Lisalina Sagner

 

 

 


 

 

 

 



 


 

 

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